Wenn das Reisen Kummer macht - die Reisedepression

Reisen ist wunderschön, es öffnet den Geist und schenkt uns eine ganze Packung voll Erinnerungen und Erfahrungen von denen wir manchmal sogar ein ganzes Leben lang zehren. Viele von uns träumen von einer Fernreise oder sogar einer Langzeitreise. Wenn der Traum sich dann erfüllt sind nicht nur die Erwartungen sondern auch die Stimmung hoch. Doch was ist, wenn sich die Stimmung verändert? Was wenn man plötzlich gar keine Lust mehr hat, auf Reisen, auf Sightseeing oder einfach nur Morgens aufzustehen?

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Tabuthema Reise - Burnout

Ja, das gibt es wirklich! Sogar öfter als man denken möchte. Während die Erkrankung namens "Burnout" in der europäischen Arbeitswelt bereits als Volkskrankheit verbreitet und anerkannt ist, gehört sie in der Welt der Reisenden noch zu einem Tabuthema. 

 

Klar, wer von uns postet schon mal ein Bild auf Instagram von sich selbst im Jogger vor dem Fernseher und das auf Fiji? Ja wer von uns gibt schon gerne zu, dass man sich ausgebrannt, erschöpft und depressiv fühlt und das obwohl man ja ein sogenannter "Dauerurlauber" ist!  

 

Die traurige Wahrheit allerdings ist, dass der Zustand der emotionalen Erschöpfung und der reduzierten Leistungsfähigkeit auch einen Reisenden erwischen kann. 

Wie es dazu kommt, kann natürlich unterschiedliche Gründe haben. Die häufigste Ursache ist jedoch, der uns allen nur zu gut bekannte Stress!

Wege zum Burnout

Nicht nur eine Langzeitreise, nein auch der langersehnte Sommerurlaub kann jede Menge Stress mit sich bringen. Jetlag, eine Veränderung der Klimazonen, ungewohnte Mahlzeiten zu noch ungewohnteren Zeitpunkten und natürlich Sightseeing bis die Sohlen brennen, all das verursacht Stress in unserem Körper. Auch wer in seiner gewohnten Umgebung bleibt ist vor Stressfaktoren nicht sicher. Dabei spielt eine oft zu hohe Erwartung und der unrealisierbare Wunsch zur Perfektion eine sehr große Rolle. 

 

Druck und Dauerstress erzeugen in unserem Körper zu viel Adrenalin, welches nicht mehr schnell genug abgebaut werden kann. Erschöpfung, Antriebsschwäche, Unruhe, hohe Reizbarkeit und/oder Depressionen sind einige der psychischen Folgen. Aber auch auf körperlicher Ebene, durch Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen bis hin zu Herzproblemen sind die Auswirkungen spürbar. 

Depressionen im Handgepäck

Die vielen unterschiedlichen Gesichter einer Depression haben eines gemeinsam, sie sind eine ernstzunehmende Erkrankung der Seele und in manchen Fällen auch des Körpers. 

 

Über die Ursachen einer Depression, ist sich die Wissenschaft auch heute noch nicht vollständig im Klaren. Genetische Ursachen die zu einem Ungleichgewicht im Gehirnstoffwechsel führen, negatives Denken, Erfahrungen in der Kindheit, erlernte Verhaltensmuster, Beziehungsprobleme, Traumata aber auch kulturelle und soziale Einflüsse können Depressionen auslösen. 

 

Auch bei gewissen Medikamenten können Depressionen als Nebenwirkung ausgelöst werden. Die gerade bei Travellern bekannte Malariaprophylaxe: Molarone, ist ein Beispiel dafür. 

Traurig oder Depressiv?

Unser aller Leben ist leider nicht immer schön. Stress, Druck, Enttäuschungen, Verluste, Sorgen etc. wir alle kennen das und es ist vollkommen normal sich hin und wieder kraftlos, traurig und sagen wir einfach mal schlecht zu fühlen. Ja und das auch auf Reisen. 

 

Eine Depression, macht nämlich keine Unterschiede zwischen den Menschen. Es ist ihr egal welche Hautfarbe Du hast oder woher Du kommst. Genauso wie weder Dein Alter, Dein sozialer Status und der geeignete Zeitpunkt eine Rolle spielen. Uuuuund es ist auch vollkommen egal ob Du zu Hause in Deiner gewohnten Umgebung lebst oder gerade auf einer Reise um die Welt bist. 

 

Wesentlich hierbei ist selbst zu erkennen ob ein Stimmungstief vielleicht schon etwas zu lange andauert und ob das alltägliche Leben bereits beeinträchtigt ist. 

Folgende Aussagen können auf eine Depression hinweisen:

  • Ich fühle mich wertlos.
  • Mein Appetit hat sich verändert.
  • Ich mag keine anderen Menschen sehen.
  • Ich habe weniger Energie als sonst.
  • Ich freue mich auf nichts.
  • Ich habe in letzter Zeit mehr Schmerzen.
  • Ich kann mich schlecht konzentrieren.
  • Ich fühle mich oft schuldig.
  • Ich habe an nichts Interesse.
  • Ich fühle mich hoffnungslos.
  • Ich fühle mich traurig und leer.
  • Ich schlafe in letzter Zeit schlecht.
  • Ich denke in letzter Zeit viel an den Tod.
  • Ich kann keine Entscheidungen treffen. 

Kannst Du Dich in ein oder zwei dieser Aussagen wiederfinden, muss das noch nicht bedeuten, dass Du an einer Depression leidest. Je mehr Punkte jedoch auf Dich zutreffen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit. 

 

Und ACHTUNG!!! Bei Selbstmordgedanken benötigst Du bitte sofort Hilfe!!!

Hilfe suchen, Hilfe finden

Hast Du jetzt nach all diesen Zeilen, dass Gefühl unter einem Burnout und/oder einer Depression zu leiden, dann solltest Du eines mal zuerst wissen: Es kann Dir geholfen werden! Auch wenn Du gerade irgendwo auf der Welt herum düst. 

 

Hol Dir Hilfe!!!

Natürlich kannst Du mit der Möglichkeit der Selbsthilfe beginnen. Doch wenn sich deine Verfassung nicht bald bessert, brauchst Du unbedingt professionelle Unterstützung. Hierbei solltest Du bedenken, dass es sehr wichtig ist den geeigneten Partner dafür zu finden.

 

Neben Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten kann auch der Hausarzt eine Anlaufstelle sein. Aber bitte bedenke, dass es echt wichtig ist, deine Symptomatik (deine Beschwerden) genau auszudrücken, damit Dir richtig geholfen werden kann. Das kann natürlich zum Problem werden wenn Du gerade irgendwo auf der Welt unterwegs bist und niemand Deine Sprache spricht. 

Die Depri-Buddies

Auch wir hatten schon einmal mit einem Reise - Stimmungstief zu kämpfen. Es hat uns eiskalt erwischt als wir nach unserer Chile und Peru Rundreise nach Mexiko gekommen sind. Wir waren beide sehr müde und erschöpft, nicht nur physisch. Uns war klar, wir brauchen eine Pause! Natürlich war Tulum hierfür genau der richtige Ort. 

 

Wir haben in dieser Zeit sehr viel über unsere Reise gesprochen und beide gemerkt, dass es an der Zeit ist unsere Art zu Reisen etwas zu überdenken. Klar, wir waren neugierig und wollten soviel wie möglich in kürzester Zeit erleben. Letztendlich merkten wir jedoch, dass wir viel zu schnell unterwegs waren. 

 

Nach einer kleinen Auszeit inklusive stundenlangen Spaziergängen am Meer, fühlten wir wieder die Energie und Freude in uns. Die Reise ging weiter. Diesmal aber um einiges langsamer und ohne schlechten Gewissen wenn uns einfach mal nach: "Ich hab heut keinen Bock auf Sightseeing" ist. 

Die Reise aus dem Tief

Die Art und Weise zu Reisen ist bestimmt ein wichtiger Teilaspekt wenn es um die Ursache eines Stimmungstiefs auf einer Langzeitreise geht. Dabei ist die Zeit, welche man sich nimmt um all das Erlebte verarbeiten zu können, sicherlich ein großer Faktor. Ebenso spielt das soziale Umfeld eine große Rolle. 

 

Reist Du mit Partner, könnte so manche Stunde mal für Dich alleine gut tun. Umgekehrt gilt natürlich das selbe. Fühlst Du Dich als Alleinreisende/r einmal einsam, ist es ratsam Gesellschaft zu suchen. Vielleicht mal in einem Hostel Dorm einchecken oder einen Ausflug in einer Reisegruppe unternehmen. 

 

Aber das ist noch lange nicht alles! Es gibt sogar jede Menge verschiedener Möglichkeiten für Reisende und zu Hause gebliebene um einem fiesen Stimmungstief Tschüßikovski zuzurufen...

  • Bewege Deinen Körper -> auch wenn sich die Lust darauf in Grenzen hält. Sport, Tanzen, Yoga und Wandern sind wahre "Schlechte-Stimmungs-Killer".
  • Schnapp Dir ein wenig Heimat -> ein längeres Facetime/Skype Gespräch mit einem lieben Menschen, mal was kochen was Dich an die Heimat erinnert oder vielleicht mal wieder einen Film in Deiner Sprache angucken.
  • Schokolade futtern -> Ja ganz richtig! Im richtigen Maße kann Schokolade wirklich glücklich machen (manche von uns wissen das ja eh schon länger ; ) )
  • Singen -> Schmettere Dein Lieblingslied mal wieder so richtig durch die Gegend (Aber Vorsicht! Das kann in einem Gemeinschaftszimmer einen eher umgekehrten Effekt auslösen ; ) )
  • Sich selbst etwas Gutes tun -> oder fast besser noch....
  • Jemanden anderen etwas Gutes tun -> Studien haben gezeigt, dass Nächstenliebe ein wahrer Schlüssel zum inneren Glück ist.
  • Sing und Schwing das Bein -> Tanzen schüttet in unserem Körper Endorphine aus und die wiederum führen dazu, dass wir uns besser fühlen. Also ab auf die Tanzfläche oder wo auch immer!
  • Spül Die schlechte Stimmung einfach runter -> Damit ist natürlich eine heiße Badewanne gemeint (Vorsicht! Alkohol wirkt sehr stark stimmungsverstärkend!!! Das heißt, schlechte Stimmung wird durch Alkohol nur noch schlimmer! Deshalb Finger weg!) Eine heiße Badewanne hingegen kann die Stimmung heben.

Zum Schluß...

Puhhhh, dass wurde ja doch ein ziemlich langer Artikel. Aber bestimmte Themen brauchen eben mal etwas mehr Zeilen und Zeit. Zum Abschluss möchte ich aber noch unbedingt einige mir sehr wichtige Punkte ansprechen (schreiben). 

 

Erstmal möchte ich Euch darauf hinweisen, dass ich die Gelegenheit hatte mit Sebastian Canaves, DEM Reiseblogger in der deutschsprachigen Szene, über dieses spannende Thema zu quatschen. Das Tolle dabei ist, unser Gespräch wurde von ihm in seinem off the path Podcast aufgezeichnet und ist für Euch jederzeit nachzuhören. 

 

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei Sebastian für dieses tolle Gespräch und diese tolle Gelegenheit bedanken und natürlich auch bei unseren lieben Blogger-Kollegen Fritzi & Flo die beiden Cooking Companions

ohne deren liebe E- Mail das ganze hier vermutlich nicht entstanden wäre! DANKE!

 

Außerdem möchte ich noch eine Bitte an Euch alle da draußen los werden -> Habt keine Angst! Sucht Euch Hilfe, redet darüber und vor allem redet laut darüber! Denn nur so bleibt Burnout und Depression (auch bei Reisenden) nicht länger ein Tabuthema. 

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Kommentare: 10
  • #1

    Fritzi (Dienstag, 19 September 2017 20:09)

    Sehr interessant und informativ.Toll geschrieben Tanja.Ich bin stolz auf dich

  • #2

    Fritzi und Flo (Mittwoch, 20 September 2017 15:40)

    Ihr Lieben, danke für den schönen Artikel und die vielen sehr wahren und hilfreichen Worte! Schön, dass es mit dem Podcast geklappt hat - das freut uns wirklich mega! Und macht uns ja tatsächlich ein wenig stolz. Sharing is caring :-)

    Wir freuen uns auch schon auf ein ähnliches Fazit eurerseits nach der Reise. Heimkehren ist zwar schön, aber auch nicht einfach und diese Jobsuche nervt doch mehr als gedacht ;-) - aber bis dahin habt ihr ja glücklicher Weise noch etwas Zeit!

    Allerliebste Grüße aus dem Nordsee-Herbst. Brrrr.
    Fritzi und Flo

  • #3

    angie (Mittwoch, 20 September 2017 20:48)

    .......unglaublich interessanter und aufschlußreicher blog..........ich würde zu diesem thema ein lied von reinhard mey empfehlen - der titel heißt "alle rennen" und ist meiner meinung nach herzerfrischend und sooo wahr!
    danke für den tollen podcast und herzlichen glückwunsch!!!
    lg von den daheimgebliebenen, die euch total verstehen und euch immer unterstützen werden!

  • #4

    Tanja & Chris (Freitag, 22 September 2017 06:57)

    Vielen vielen Dank Ihr Lieben für dieses wundervolle Feedback! Wir freuen uns gerade sehr : )

    Gaaaaanz liebe Grüße nach Österreich & Deutschland
    Tanja & Christoph

  • #5

    Florian (Sonntag, 24 September 2017 21:06)

    Einen Reise-Burnout erlebt wahrscheinlich jeder Langzeitreisende spätestens im zweiten Jahr. Irgendwann ist es eben nur noch ein Wasserfall, noch ein Strand oder noch ein Tempel. Man kann ja nicht dauernd den Touristen spielen, das wird langweilig. Die meisten Reisenden nehmen ordentlich Tempo raus, einige hören sogar ganz auf zu reisen. Das finde ich ganz normal.

    Das Wort Depression würde ich aber nicht so leichtfertig in den Mund nehmen. Ne echte Depression hat imho weder etwas mit nem Burnout zu tun noch mit nem schlechten Reisetag.

  • #6

    Tanja (Montag, 25 September 2017 05:40)

    Danke lieber Florian für deinen Kommentar! Wenn Du den Artikel noch einmal vielleicht etwas genauer durchlesen möchtest, wirst Du bestimmt feststellen können, dass hier absolut NIEMAND leichtfertig mit der Erkrankung einer Depression umgeht!!!

    Viel Erfolg bei der zweiten Runde...

    Liebe Grüße Tanja

  • #7

    Jessica (Mittwoch, 04 Oktober 2017 22:00)

    Der Artikel hat mich wirklich getroffen. Ich habe zwar keine Langzeitreise gemacht aber habe monatelang auf eine Woche in Prag (im März) hingefiebert, v.a. da ich wusste, dass ich im Sommer vermutlich nicht wegfahren kann, und war dann anfangs enttäuscht. Zu dem Zeitpunkt und auch momentan befinde ich mich quasi im Selbstfindungsprozess und war der festen Überzeugung Reisen wäre die 100%ige Zufriedenheit, ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll. Ich dachte ich setz meinen Fuß in eine neue, spannende Stadt und dann trifft mich der Blitz der Erfüllung und ich weiß, dass ich auch Reiseblogger werden muss, ich weiß es nicht. Jedenfalls waren wir da und der Blitz hat mich nicht nach dem ersten Rundgang getroffen und ich war so enttäuscht, ich weiß nicht. Es hat der ganzen Reise so einen Schleier der Unzufriedenheit und Unerfülltheit verpasst, nur weil ich mega hohe Erwartungen hatte. Ich hab mich währenddessen und vor allem nachher so sehr darüber geärgert. Ich ärgere mich immer noch, aber ich finde es erleichternd zu lesen, dass ich nicht die einzige bin die von zu hohen Erwartungen und dem Wunsch nach Perfektion enttäuscht wurde. Bzw. das Schuldig fühlen und so. Klar ist das keine Depression gewesen aber irgendwie tut es gut, wenn man so einen Artikel liest, das nicht jeder seine Reise in vollen Zügen genießen kann, was man ja so suggeriert bekommt bei all den tollen Posts von Freunden und Reisebloggern. Und ich merke jetzt schon, wie mir das Geschriebene etwas lächerlich vorkommt, wie von einem verzogenen Teenager der alles bekommt was er will. Aber ich bin 21 und weiß eben nicht, was ich will

    Ich finde nicht, dass du leichtfertig mit dem Thema Depression umgegangen bist, viel mehr hast du leichtere Formen der Verstimmung und auch ernste Depressionen angesprochen. Danke für den Artikel :)

  • #8

    Tanja (Donnerstag, 05 Oktober 2017 14:38)

    Hallo liebe Jessica,
    vielen vielen Dank für Deine offenen, ehrlichen und erwachsenen Worte! Es freut mich wirklich sehr, dass mein Artikel Dir etwas Gutes tun konnte. Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und viele wundervolle Erfahrungen bei Deinem Selbstfindungstrip : )

    Tanja

  • #9

    Esther (Montag, 24 Dezember 2018 15:21)

    Liebe Tanja und alle Leser
    Dieser Beitrag ist zwar schon eine Weile her, aber da ich mitten in dieser Reisedeppression stecke habe ich mir Hilfe im Internet gesucht und möchte hier und heute allen mitteilen, dass genau das, was Tanja hier beschreibt uns voll erwischt hat. Wir hatten allerdings vorher schon ziemlich burnoutartige Zustände und wollten statt zum Therapeuten eine Reise zu uns selbst machen. Jetzt nach vier Monaten sitzen wir hier auf Bali und kommen seit drei wenn nicht mehr aus diesem Tief hinaus. Der Kulturschock, nach zwei Monaten Europa, hier in Indonesien zu landen wo wir nach dem herumreisen endlich Ruhe finden wollten, wir hier aber nur von Ärger zu Ärger fallen und ich seit zwei Wochen krank bin, sodass ein weiterziehen kaum in Frage kommt, hat uns unsere Vorstellungen von einer Reise zu uns selbst vollkommen zerstört. Wir sind kurz davor aufzugeben, da finde ich diesen Bericht.
    Es ist Heiligabend und wir hocken hier im Hotelzimmer, kein Bock an der vom Hotel organisierten Feier mitzumachen, indonesisches essen erzeugt nur Blähungen und selbst die Massage ist auf einer unbequemen Liege und macht mehr Verspannungen als vorher. Die Liste ist lang, endlos. Und das schlimmste ist, wir schämen uns. Alle beneiden uns, weil wir reisen können, weil wir es gewagt haben, wie können wir uns jetzt im „Paradies“ so beklagen?!? Niemand versteht was wir durchmachen. Es ist unermesslicher Schmerz, und keiner versteht Dich. Da wir beide im selben Zustand sind können wir uns auch nicht wirklich helfen.
    Wer weiss, vielleicht ist genau das der Prozess der uns verändert. Wir werdens eines Tages vielleicht verstehen.

  • #10

    Becky (Montag, 31 Dezember 2018 11:44)

    Liebe Tanja,
    der Post ist schon was älter, aber er hat mir trotzdem etwas geholfen mich nicht alleine zu fühlen. Ich habe zwar keinen Burnout, aber merke so langsam, wie mir nach 8 Monaten des Reisens die Kraft/Lust fehlt, weiterzumachen. Ich bin seit 6 Wochen auf Sri Lanka, habe mir hier viel Zeit für mich selbst genommen mit Massagen, Yoga, vielen faulen Tagen in denen ich einfach gelesen oder Netflix geschaut habe etc. und trotzdem fühle ich mich ausgebrannt. Mich reizt nichts mehr an Sehenswürdigkeiten, ich würde am liebsten die meiste Zeit im Hostel oder Guesthouse bleiben und auch der Kontakt zu anderen Reisenden interessiert mich nicht so richtig - alles oberflächlich und banal und immer das Gleiche.
    Man unterschätzt gerne mal was es mit der Psyche macht, wenn man keine richtige Basis hat, immer von neuen Eindrücken und Menschen umgeben ist ohne wirklich die Zeit dafür zu haben, es zu verarbeiten. All diese Erfahrungen bringen einen theoretisch ja dazu, sich zu entwickeln, sich selbst als Menschen besser kennen zu lernen, aber dieser Prozess benötigt Zeit und die hat man beim Reisen selten, weil direkt die nächste ungewohnte/krasse/neue Situation auf einen wartet. Es stapelt sich also quasi und so ist man gestresst, obwohl man doch an den tollsten Plätzen der Welt ist und andere Menschen einen beneiden und davon ausgehen, dass man unendlich glücklich ist. Dafür schämt man sich dann, so wie Esther oben geschrieben hat, und das kommt on top zu dem ganzen Stress. Wenn man dann noch körperlich nicht ganz fit ist, was beim Reisen ja gerne mal der Fall ist, dann ist so ein Burnout oder schlimmeres kein Wunder.
    Ich suche für mich selber gerade nach einem Ort, an dem ich mich für einige Monate niederlassen kann, wo ich vielleicht sogar etwas jobben kann um Alltag und eine Aufgabe reinzubringen. Wenn mir das nicht hilft, werde ich die Reise abbrechen denke ich. Nur um des Reisens willen unterwegs zu sein ist nicht mein Ziel, ich möchte es nur so lange machen, wie es für mich schön ist.
    Danke für deine Worte und einen guten Rutsch,
    Becky