Neuseeland - Liebe auf den zweiten Blick

Zugegeben, die erste Woche als Neo - Camper in Neuseeland hat uns einiges abverlangt. Das eisige Wetter, die Schwierigkeiten mit der Straße und gesundheitliche Probleme haben eine Menge Energie gekostet. Die zweite Woche jedoch hat uns für all das mehr als entschädigt. Besser sogar noch. Sie hat uns etwas geschenkt, dass wir seit unserer Abreise in Wien gesucht haben... die absolute Freiheit!!!!

Weltreise Reiseblog Neuseeland Roadtrip Camping Freiheit Südinsel Winter Westküste Reisetipps Reisetagebuch

Ab auf die Südinsel

 

Für uns Beide war es das erste Mal, dass wir eine fahrt mit einer Fähre geplant hatten. Schnell stellte sich jedoch heraus, alles völlig unkompliziert und easy. Das Fährenticket für uns und den Jucy  haben wir online gebucht (190.- Euro). Das Einschiffen und die gesamte Überfahrt, waren nicht nur absolut stressfrei sondern auch ein echt tolles Erlebnis. 

 

Die berühmt berüchtigte Überfahrt von Wellington nach Picton, ist im Gegensatz zu ihrem Ruf völlig ruhig verlaufen. Sonnenschein, ein ruhiger Seegang und die traumhafte Kulisse der Cookstraße und den Marlborough Sounds ließen die 3,5 Stunden auf der rießigen Interislander wie im Flug vergehen, ähhhm wie auf einem Boot halt ; )

 

Angekommen auf der Südinsel ging unser Roadtrip sofort weiter, nach einer kleinen Pause in Nelson nahmen wir uns für den nächsten Tag vor die wunderschöne Westküste der Südinsel zu erkunden. Wir kamen aus dem Staunen nicht raus! Im Gegensatz zu unseren Erwartungen präsentierte sich der Süden des langgezogenen Landes wärmer und sonniger als gedacht. Wir hatten unseren ersten wirklich schönen, warmen Tag als wir mit unserem Camper an den hohen Klippen, den dicht bewachsenen regenwaldähnlichen Wäldern und unglaublichen Bergpanoramen weiter Richtung Süden fuhren.

 

Was uns noch aus keinem anderen Land bekannt war, war die Tatsache, dass hier in Neuseeland einfach jeder Platz zu einer Pause einladet. Wenn man zum Beispiel in Österreich eine längere Fahrt vor sich hat, verbringt man den Großteil der Zeit auf relativ langweiligen Autobahnen. Hier in Neuseeland kannst Du einfach überall anhalten, deine Campingsessel hervorkramen, eine kleine Pause für einen Snack einlegen und die unglaubliche Aussicht genießen. Und das taten wir auch!

Pancake Rocks, Hemner Springs und ein unbekanntes Gefühl

Kurz vor dem Ort Greymouth (welcher mit seinen 6000 Einwohnern zur größten "Stadt" an der Westküste zählt) finden sich wirre Gesteinsformationen die tausende Jahre alt sind und einem die Sprache verschlagen! Wir wanderten durch die vom Meerwasser unterspülten Felsen und beobachteten enorme Wellen die gegen die Steilwände prallten. Alle paar Sekunden dieses Zischen des Wassers - wir schauten uns an und merkten plötzlich zeitgleich, dass sich bei uns ein Gefühl auftat, welches wir so noch nie erleben durften und das war gerade mal der Anfang.

Nach einer Nacht im Jucy hinter einer Tankstelle waren wir ein wenig unsicher, welchen Weg wir zur Überquerung der neuseeländischen Alpen nehmen sollten. Die Besitzer der Campside in Greymouth sprachen immer wieder von Bergpässen und Schnee der uns morgen erwarten könnte. Hm Schnee...Bergpass...Hinterradantrieb...? Als Österreicher klingelten hier die Alarmglocken. 

 

"Du Tanja, ich glaube, das war der Pass" Nun was wir nicht wussten ist, dass Neuseeländer bei dem Wort "Bergpass" gerne ein wenig übertreiben. Wir sind gerade mal, sagen wir einen Hügel hochgefahren und waren an der Spitze des Lewis Pass welcher uns direkt durch die Alpen der Südinsel führte. Naja wenigstens mit dem Schnee haben sie nicht übertrieben. Wir fanden hier kurz vor Hemner Springs die ersten schneebedeckten Wiesen sowie angezuckerte Bergspitzen. Das Gefühl vom Vortag war wieder da, es kribbelte in unseren Bäuchen - noch immer wussten wir nicht was genau dieses Gefühl war.

Die absolute Freiheit

Die Straße schlängelte sich durch hohe Berge, unglaubliche Wälder, unüberschaubare Weiten vorbei an kristallklaren Flüssen. Wir lachten uns an und wussten nun welches Gefühl wir hier gerade spürten und welches uns erst nach einem halben Jahr auf Reisen wirklich knallhart erwischte. Die absolute Freiheit. Wir waren in diesem Moment so von der Rolle, dass wir einfach anhielten, den Camper an einem Fluss parkten und einfach Richtung Flussbett liefen. Angekommen brüllten wir uns die Seele aus dem Leib! Kilometerweit keine Menschenseele zu sehen und alles was wir hörten, war das Plätschern des Wassers und die Schreie der Freiheit.

Hello Christchurch

Nach einer Nacht zwischen baden in den heißen Thermalquellen und dem ersten mal Eiskratzen in Hamner Springs, ging es für uns nach Christchurch. Ursprünglich wollten wir ja zuerst noch einen Stopp in Kaikoura einlegen. Ein kleiner Ort an der Ostküste, welcher vor allem als Ausgangspunkt zum Whale Watching genutzt wird. Bei einem schweren Erdbeben im November 2016 wurden unteranderem sämtliche Straßen die zu diesem Örtchen führen verschüttet. Noch immer werden Bauarbeiten durchgeführt und so kam es, dass auch wir vor einer Straßensperre standen und neue Pläne schmieden mussten.

 

Angekommen in Christchurch wurde uns auch hier wieder sofort in Erinnerung gerufen - das hier jederzeit die Erde beben kann. Die Spuren des 2011er Bebens mit einer Stärke über 7 nach Richter sind noch immer deutlich zu erkennen! Die Stadt ist gelinde gesagt eigentlich eine riesige Baustelle. Enorme Risse in den Häusern, Stahlträger die Gebäude notdürftig zusammenhalten und die wunderschöne Kathedrale die eigentlich nur noch ein Trümmerhaufen ist. Laut Wikipedia sind rund 100.000 Häuser auch 6 Jahre nach dem Monster-Beben noch immer baufällig! 

 

Abgesehen davon ist diese Stadt aber ein wunderschöner Fleck der Geschichte und Moderne sehr elegant verbindet. Wir schlenderten die Cashel Street entlang die uns mit ihren alten Backsteingebäuden auf eine Zeitreise in längst vergangen Tage mitnahm, aßen super leckeres Street-Food am Street-Food-Night-Mart und schauten den Kindern beim Eislaufen zu.

 

Im Nachhinein gesehen bezeichnen wir diese Woche oft als wohl eine der schönsten Wochen auf unserer Reise. Wir fühlten uns dank unseres Campers noch freier als je zuvor. Wie schon erwähnt - eben Liebe auf den zweiten Blick!

liked this blog? share it!

Jeder Eurer Kommentare ist bei uns gern gesehen, auf Emoji-Zeichen müsst Ihr aber leider verzichten da es sonst zu einem Absturz des Gästebuchs kommt und Euer Kommentar nicht richtig gepostet wird - Sorry

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    angie (Donnerstag, 27 Juli 2017 17:45)

    ja......manchmal muss mann und frau halt zweimal hinschauen :)
    ein wirklich schön geschriebener blog mit wunderschönen bildern! es ist sicher ein besonderes gefühl, wenn weit und breit nur wunderschöne natur, aber keine andere menschenseele zu sehen ist. danke für die einblicke und eindrücke und lg aus der heimat!

  • #2

    Tanja und Christoph (Donnerstag, 27 Juli 2017 23:38)

    Ja, da hast du recht liebe Angie ; ) Vielen Dank für die lieben Worte... gaaaaanz liebe Grüße zurück aus Down Under : )