Night Safari im iSimangaliso Wetlandpark

Die Jeans klebt an unseren Beinen und der Geruch von Moskitospray juckt in unseren Nasen. Die Sonne ist bereits untergegangen und die leichte Prise verspricht einwenig Abkühlung. Wann hatte wir eigentlich das letzte mal eine lange Jeans an? Frage ich mich als ich aus meinen Gedanken gerissen werde "Welcome to the Turtle-Night-Safari"  ruft der Ranger! Wir steigen in den Safari-Wagen und das Abenteuer beginnt….

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Ab in die Nacht...

Neben den fast schon Haustier ähnlichen Hippos, ist St. Lucia noch für eine weitere Besonderheit bekannt. Jedes Jahr zwischen November und März kommen Nachts Schildkröten an Land um ihre Eier zu legen. Eine einmalige Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Für knapp 70,- Euro pro Travel Buddy buchten wir also bei Heritage Tours eine ca. 5,5 Std. lange Nacht-Safari in den iSimangaliso - Wetland - Nationalpark. 

 

Der Geländewagen donnert los und wir düsen durch St. Lucia - die warme Abendluft bläst durch unsere Haare - endlich eine wenig Abkühlung. Nur wenige Minuten später sind wir schon am Gate des Nationalparks angekommen. Ein weiterer Ranger checkt kurz den Zustand des Autos, quatscht mit unserem Guide und wir werden gebeten einige Registrier-Formulare auszufüllen. Das Betreten dieses Gebietes ist wirklich was Einmaliges - nur wer an dieser Tour teilnimmt kann in dieses fast unberührte Naturschutzgebiet einfahren.

 

Wenig später öffnen sich die Tore für uns! Die Tour beginnt. Unserer Ranger hat seine Frau am Beifahrersitz, die 9 Auserwählten für diese Nacht haben auf der Ladefläche seines Toyotas auf gemütlichen Sitzen platzgenommen. Die Beifahrerin knipst den riesigen Handscheinwerfer an und unser Guide steigt aufs Gas. 

Zwischen Spannung und Dankbarkeit

Der Kegel des Scheinwerfers pendelt immer wieder von Rechts nach Links und von Vorne nach Hinten. Nur wenige Minuten unterwegs schon die erste Aufregung. Der Wagen hält und auf der Straße sitzt ein riesiger Vogel - wir können Ihn zuerst nicht richtig erkennen, aber als er dann seinen Kopf um 180 Grad dreht ist uns klar - Wow da steht ein eine riesige Eule mitten auf der holprigen Straße. Das Tier ist riesig und als es seine Flügel zum Start spannt geht ein Raunen durch die Safaris-Gäste-Menge. 

 

Die Fahrt geht weiter. Sehr bald schon ist uns Beiden bewußt wie unglaublich beeindruckend dieses Erlebnis jetzt schon für uns ist. Immerwieder kommt der Gedanke auf, dass es eigentlich Sonntag-Nacht ist und wir vor nicht all zu langer Zeit noch zuhause in der winterlichen Heimat waren und uns auf den Start in eine neue Arbeitswoche vorbereitet hätten. Stattdessen sind wir tausende von Kilometer weit weg, in Afrika. Irgendwo in der echten Wildnis umgeben von zahlreichen großen und kleinen Tieren und einem Sternenhimmel der so unfassbar groß ist, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben. Ein übermächtiges Gefühl der Dankbarkeit macht sich in uns breit…. bis der Geländewagen erneut stoppt.

 

Habt Ihr schon mal eine Hyäne gesehen? Wir auch nicht, bis zu diesem Zeitpunkt. Plötzlich spaziert dieser Aasfresser ganz gemütlich vor unserem Auto. Als der Lichtkegel ihn trifft bekommt er/sie es aber doch mit der Angst zu tun und schon ist die Hyäne wieder in der Dunkelheit verschwunden hinterlässt uns aber mit offenen Mündern!

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Big 5 und Co

In Afrika spricht man immer wieder von den „Big 5“. Es ist für jeden Besucher dieses Kontinents eine Herausforderung die „Big 5“ zu sehen. Leider stammt die Definition „The Big 5“ aus der Jägersprache - Es wird hier in Afrika noch immer gewildert und das ist schrecklich! Wir haben gelernt dass alle 4 Stunden ein Nashorn erschossen wird - Einheimische werden mit Spottlöhnen gelockt diese Tiere zu jagen. Am Markt in Asien macht der Verkäufer dann hunderttausende Dollar mit dem Horn - der Jäger selbst wird mit ein paar Dollar abgespeist.

 

Wie gesagt die Definition „The Big 5“ kommt aus der Jagdsprache und es handelt sich dabei nicht um die größten Tiere Afrikas sondern jene die am schwersten zu finden und zu jagen sind. Dazu zählen der Leopard, der Löwe, der Büffel, das Nashorn und der Elefant. Letzteren haben wir schon im Addo-National Park auf unserer Travel Buddies Big 5 Liste abgehackt - Gejagt wird aber natürlich nur mit der Kamera so wie das eigentlich sowieso sein sollte. 

 

Und plötzlich macht es „Ding“ und auf unserem Big 5 Konto stehen 2 von 5 Punkten! Ein riesiger Büffel steht ganz gemütlich am Straßenrand und kaut an seinem Mitternachtssnack - ein ordentliches Büschel Gras. 

 

Das Auto und wir beeindrucken den Büffel überhaupt nicht und er wendet sich einfach ab. Wir rasen weiter durch die Dunkelheit. Ringsum immer wieder kleinere Tiere und unzählige fremde Geräusche. Das Himmelszelt über uns lässt uns staunen und langsam kann man das Meer riechen. Wir wissen - nun sind wir bald am Strand und das eigentliche Abenteuer beginnt. Wir halten und der Ranger lässt die Luft aus den Reifen des Geländewagens um am Strand besser voran zu kommen.

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Picknick unter der Milchstraße

Es ist stockfinster, die Wellen donnern an den Strand und wir werden auf der Ladefläche ordentlich durchgeschüttelt. 22 Kilometer düsen wir den Strand entlang in die Finsternis. Der Fahrer immer auf der Suche nach Spuren der bis zu 600 Kilo schweren Muttertiere die hier ihre bis zu 1000 Eier ablegen. 

 

Die Spannung bei uns allen war enorm und dennoch schlich sich ein leiser Gedanke in unsere Köpfe (wie sich anschließend herausstellte, hatten wir beide nämlich den selben Gedanken). Haben wir, der Mensch, hier eigentlich überhaupt etwas verloren??? Wahrscheinlich nicht! 

 

Der Wagen hält wieder, die Lichter gehen aus und der Fahrer und seine Frau steigen aus. Sie öffnen die Ladeklappen und holen Getränke und kleine Snacks aus dem Kofferraum. 

Nur eine kleine Lampe leuchtet hier. Ansonsten kilometerweit nicht ein Lichtfunke. Wir schnappen uns einen Kaffee und ein Sandwich und setzen uns. Das Meer rauscht und wir blicken in den Himmel! Es war für uns beide das erste mal, dass wir die Milchstraße mit bloßen Augen erkennen konnten! Wir waren hin und weg!

 

Während des Picknicks an wohl einem der romantischsten Orte der Welt plauderte der Ranger ein wenig aus dem Nähkästchen. Es gibt derzeit weltweit nur noch zirka 35.000 Lederschildkröten. Alle zwei bis drei Jahre legen die Weibchen hier bis zu 1000 Eier. Von diesen 1000 Eiern überleben maximal 2!!! Die meisten sterben schon am Weg ins Wasser oder werden von Haien und Raubfischen im Wasser getötet. Das unglaubliche an diesen Tieren ist, dass Weibchen die hier in den Wetlands nahe St. Lucia geschlüpft sind, 18 Jahre später zum ersten mal wieder hierher zurückkehren um Ihre ersten Eier zu legen und das obwohl Sie in der Zwischenzeit alle Weltmeere bereisten.

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"Ist das etwa ein....???" 

Ebenso erklärte uns der Ranger, dass wir eine 50:50 Chance haben um bei diesem Wunder der Natur dabei zu sein. Mit den Worten: „No luck today“ und dem ein oder anderen Seufzer, verließen wir ca. 1,5 Stunden später den Strand.

 

All zu enttäuscht waren wir jedoch nicht. Immerhin wurden wir auf der rasanten Rückfahrt durch die mittlerweile eiskalte Nacht, nochmal überrascht. „Ding, Ding, Ding!!“ „Big 5 Alarm!“ Unser Big 5 Zähler steigt auf 3 von 5 als plötzlich am Straßenrand etwas RIESIGES steht. Zuerst dachten wir es sei ein mittelgroßer Elefant aber es war ein Nashorn besser gesagt eineinhalb Nashörner. Das Muttertier hatte ein süßes (aber dennoch wohl schon 150 Kilo schweres) Baby-Rhino dabei! Das Horn der Mutter war schwarz und mindestens einen Meter lang. Mit offenen Mündern und angehaltenen Atem konnten wir gerade noch sehen wie sie zurück in den Busch flüchteten. Wir können dieses Ereignis leider nicht in Worte für diesen Blog fassen. Es war buchstäblich unbeschreiblich!

 

Gegen 1 Uhr Morgen kamen wir erschöpft aber dennoch unglaublich aufgedreht wieder in St. Lucia an. Wir wurden als letzte bei unserem Hostel abgeliefert und somit mussten wir noch einmal durch den kleinen Ort. Und als würde St. Lucia uns für die nicht gesehenen Schildkröten entschädigen wollen empfing uns der Ortskern mit grasenden Hippos in den Vorgärten. Die Dickhäuter ließen sich keineswegs stören und wir konnten sie ganz gemütlich vom Geländewagen aus beobachten und auch fotografieren. 

 

Alles in allem ein absolut unvergessliches Erlebnis, welches für immer in unseren Köpfen bleiben wird!

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